Knotenpunkte im Leben

Paare von A - Z

Stichworte für eine beliebte Lebensform

A wie Anfang

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“ Alles bekannt, am Beginn steht die Begegnung und je nach Temperament verlieben wir uns jäh oder allmählich. Für einige Wochen oder Monate sehen wir den Anderen in einem wunderbaren Licht, sehen all seine Möglichkeiten, Begabungen und sehr speziellen Eigenarten und werden vom Gegenüber ebenso gesehen. Es ist vielleicht eine Mischung unserer Wunschperson und der tatsächlichen, jedenfalls sind wir beschwingt, fühlen uns angeregt, erregt, hoffnungsvoll.

B wie Beziehung.

Menschen sind Beziehungswesen. Wir beziehen uns auf unser Gegenüber: Ich und Du. Und das kann ganz schön anstrengend sein. Was meint, will der Andere, kann, will und muss ich das erfüllen? Ein ständiges Ausbalancieren von meinen Wünschen und Bedürfnissen und denjenigen meiner PartnerIn und umgekehrt. Das ergibt – hoffentlich – das Gemeinsame, und manchmal auch nicht und halten wir das aus?

C - Computer, Couch,

eher unschöne Stichworte, sie sind oft Sinnbild dafür, dass der eine Beziehungspartner sich zu sehr in Anderes als das Beziehungsleben vertieft, den Hintern nicht mehr hoch bekommt und anfängt uns zu langweilen bis zum Ärgern. Was ist mit der Beziehung geschehen, dass nicht mehr die Welt oder das Gegenüber anregend oder vielversprechend erscheint?

D - Differenz, Diskutieren.

Denken wir daran, dass sich zwei sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Vorgeschichten und Leben in der Paarbeziehung zusammengefunden haben, was anfangs wohl die Anziehung ausgemacht hat und unsere Differenz kann wieder spannend werden.

Viele Paare diskutieren miteinander, wie sie sagen und kommen dann nicht mehr zusammen, sie versuchen sachlich zu sein und bleiben und merken nicht wie jeder „Diskussionsgegenstand“ mit Gefühlen aufgeladen ist (z.B. Haushalt). Trauen wir uns, unsere Gefühle dabei wahr zu nehmen und sie einzubeziehen und lernen miteinander zu sprechen, reden.

E - Eifersucht, Einfühlung, Eltern, Ekstase Entwicklung

Bei der Eifersucht geht es immer um Themen der Trennung oder des Verlassenwerdens. Einfühlung beschreibt die Fähigkeit, sich in den Anderen einfühlen zu können, was nur gelingt, wenn ich einigermaßen mit meiner eigenen Gefühlswelt vertraut bin und sie hilft bei Differenzen und Streitereien.

Eltern, ja, ja, meine Eltern, Deine Eltern, wie sehr mischen sie sich ein in unsere Beziehung und stören die Beziehung und wie weit haben wir uns von ihnen und ihrem anderen Leben abgenabelt, um unser eigenes zu führen.

Ekstase, ein Heraustreten aus dem eigenen Bewusstsein, Verzückung und Glückseligkeit, kann in unserer gemeinsamen Sexualität geschehen, ein Glücksfall...

Entwicklung. Die Partnerbeziehung kann auch Entwicklung und Selbstentwicklung bedeuten und verändert sich mit den verschiedenen Lebensaltern und Aufgaben stetig.

F - Familie Frau

Seit Jahrhunderten hat sich die Form der Familie immer wieder verändert, dahinter steht aber immer das Prinzip von Gemeinschaft, von Geben und Nehmen. Wie wir diese Gemeinschaft leben und erleben hängt von vielen Bedingungen ab. Den äusseren Bedingungen – Kultur, Religion, wirtschaftlichen etc. – und den inneren - Psyche der Familienmitglieder, Konflikte, Wünsche, Beziehungsfähigkeit – ab.

Frau. Wann ist denn Frau ne 'Frau? Geliebte, Partnerin, Berufstätige, Mutter und vieles mehr.

G - Gefühle Gemeinschaft

Gefühle oder auch Emotionen begleiten unser ganzes Leben. Damit unterscheiden wir alles was uns widerfährt als angenehm oder unangenehm. Wir reagieren in der Partnerbeziehung mit dem Ausdruck von Freude, Angst, Trauer, Neugier, Interesse, Ärger. Neid, und das ist gut so, wenn’s denn nicht zu einseitig wird. Wir drücken unsere Gefühle körperlich aus und in Worten.

H - Humor

Wir streiten uns, verbeißen uns, wie so oft, in unser Thema: „Du hast aber, Du machst nie,...“ , plötzlich sagt eine(r) der Beiden „ich sehr uns grad wie zwei Terrier, die um denselben leckeren Knochen zanken“, eine kleine Pause, beide lachen. Humor in der Beziehung ist lebenswichtig, entschärfend, spielerisch. Er setzt voraus, dass wir mal inneren Abstand von dem so überaus Wichtigem nehmen können und uns und dem Anderen unsere Schwächen und Begrenztheiten annehmen. Humor entwertet nicht, sondern schafft einen freieren Umgang.

I - Intimität Individualität

Intimität entsteht dann, wenn ich im Umgang miteinander meine Träume, Wünsche, Verletzungen äußern kann, ohne dass vom Anderen mit Verachtung, Entwertung, Spott oder Kränkung geantwortet wird. Intime Stimmung braucht Raum und Zeit, kann nicht „zwischendurch“ und „nebenbei“ entstehen.

Individualität in der Paarbeziehung ist hier gemeint als die ganz eigene Art zu reden, denken, fühlen, sich auszudrücken, und oft schwer in einer Gemeinschaft wie Paar oder Familie zu leben: ein immer wieder Ausbalanciere zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und der Gemeinschaft.

J - Jugendlichkeit

Neugier – aufs Leben, auf die Welt, meine Welt, der Nachbarn, meine Arbeit und alle Veränderungen in uns und um uns herum.

K - Kinder Körper Krisen

Kinder verändern die Paarbeziehung, wir werden auch noch Eltern, Mutter und Vater.

Jetzt sind wir Liebes-Paar und Eltern-Paar: sind wir als Eltern ein gutes Team gegenüber den Kindern und haben wir als Paar auch noch genügend Raum miteinander?

Körper, Körperlichkeit, Berührug, Zärtlichkeit. Mag ich mich in meinem Leib/Körper (und hier ist nicht der fitte, schöne und gestählte Körper gemeint) und erlebe ich genügend Berührung. Und: zwischen Berührung und Sexualität sind hundert Schattierungen und wir brauchen alle, ... auch außerhalb der Paarbeziehung.

Krisen (aus dem Griechischen: Entscheidung, Wendesituation). Die Paarbeziehung ist ein Weg mit Höhen und Tiefen, Krisen gehören dazu. Sie machen uns aufmerksam, dass „etwas so nicht mehr weitergehen kann wie bisher“. Das haben wir nicht so gern und fordert uns heraus. Zur Lösung brauchen wir Zeit, müssen unsere Fähigkeiten aktivieren und vielleicht neue entwickeln.

L - Liebe Lust Loyalität

Liebe, die Bedeutung dieses Begriffs ist so vielfältig wie die Menschen, die ihn gebrauchen und soll hier nicht definiert werden, jedenfalls aufs Paar bezogen ist sie mehr und Anderes als Verliebtheit.

Lust: mit Lust etwas angehen, darin steckt auch lustig oder lustvoll und mit Begierde.

Loyalität: ein Beispiel, ein Paar ist bei einer Feier mit anderen, man scherzt und redet miteinander, es geht um sogenannte männliche und weibliche Eigenarten, irgendwann ist es nicht mehr so lustig, man verbündet sich gegeneinander und plötzlich sagt die Frau unseres Paares „ach, ich glaub ich möchte jetzt mit Klaus tanzen, das können wir so gut zusammen“. Loyal bin ich dann, wenn ich zu meinem Partner oder Partnerin stehe, auch mal gegen die eigenen Freunde oder Familie.

M - Mann

Wann ist denn Mann ein Mann? Geliebter, Partner, Berufstätiger, Vater und vieles mehr

N - Nein Neid

Nein in der Paarbeziehung ist genauso wichtig wie Ja: zu dem, was mich verletzt und kränkt, was mich entwertet oder klein macht, was mich zu einem bequemen Sofa macht.

Beispiele hierfür gibt es zuhauf.

Neid stammt aus dem Vergleich, ich fühle ihn, wenn ich denke, mein Partner hat eine Eigenschaft, ein Talent o.ä., was mir abgeht. Das oft schwer erträgliche Neidgefühl kann mir auch zeigen, dass mir etwas fehlt; vielleicht schaffe ich es ja, dem, was mir fehlt nachzugehen, dann muss sich der Neid nicht in Kleinlichkeit oder Missgunst verwandeln.

O - Orgasmus Ohnmachtsgefühl

Das bringt uns zum Punkt: wie ist „richtige“ Sexualität? Keine Antwort, das Paar kann am besten gemeinsam erkunden, experimentieren und immer wieder neu... wie ist der männliche, der weibliche Orgasmus, wenden wir uns einander zu.

Ohnmachtsgefühle tauchen dann auf, wenn ich in der Beziehung nicht gehört werde, nicht angesehen, wenn meine Stimme, meine Meinung, mein Gefühl nicht zählt. Schön wäre es in der Eigen-Macht zu sein. Zitat Adorno: „geliebt wirst du einzig, wo schwach du dich zeigen kannst, ohne Stärke zu provozieren.“ Ebenbürtigkeit hilft gegen Ohnmacht.

P - Phasen der Beziehung Paar/Partnerschaft

Verliebtheit

Aufbau

Kinder

Lebensmitte

Altersbeginn. Jede dieser Phasen hat seine eigenen Aufgaben, Erfahrungen und Erlebnisse und ist auch mit Krisen verbunden. Beziehung ist in der Tendenz auf Dauer angelegt.

Die Phasen der Beziehung, ihre Krisen und die Notwendigkeit ihrer Bewältigung sind aber auch bei häufigem Partnerwechsel nicht vermeidbar.

Paar und Partnerschaft sind nicht nur durch die beiden individuellen Menschen und ihre Herkunft geprägt, auch unsere jeweilige Kultur, Politik, Gesetzgebung, Kirchen nimmt Einfluss auf unsere Liebesbindung; Arbeitszeitverteilung, Rollenzuweisung und Sozialmaßnahmen bestimmen auch unsere Vorstellungen und den Alltag.

Q - Quatschen

Haben wir in unserer Partnerschaft genügend Zeit, Muße zum Quatschen, Quatsch machen? Auch mit 40, 50, 60 sind wir eigentlich nicht zu alt zum Rumalbern, oder?

R - Rivalität

Paare können rivalisieren, hierbei erkennen sie sich als Person und fühlen sich hinreichend sicher in der eigenen Bedeutung. Wir rivalisieren um Kinder, Freunde oder wer kann was besser. Wir können uns dabei anspornen und zu neuen Fähigkeiten kommen, aber auch niedermachen, wenn es in Machtkampf ausartet.

S - Streit Sex/Sinnlichkeit

Streit , das Bild: wir sitzen oder stehen uns gegenüber, wir streiten über alles: Geld, Haushalt, Religion, irritierende Angewohnheiten, Eifersucht, Monotonie...Nach dem ersten Geschrei und Gezeter, wenn sich die Emotionen beruhigt haben, können wir in Ruhe Fragen stellen wie „Wieso empfindest Du so? Wie bist Du zu dieser Meinung gekommen?“ und es können gemeinsam Lösungen gesucht werden.

Das braucht lange Übung und niemand wird in der Kunst des Streitens perfekt werden.

Sex hat in der langen Zeitspanne der Beziehung Höhen und Tiefen. Dazu gehört lebenslang eine Sinnlichkeit, das Erfahren der Welt und meiner Mitmenschen, natürlich auch meines Partners mit allen Sinnen: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken.

Routine ist Absterben, vielleicht können wir an uns und unserem, unserer Geliebten immer wieder neue Facetten der Sinnlichkeit entdecken.

T - Trennung Treue Träume

Und wenn’s denn doch die Trennung sein muss: dazu gehören die Gefühle Schmerz, Trauer, Zorn, aber vielleicht auch ein Befreiungsgefühl. Die Gelegenheit rückwärts zu schauen, was nicht zueinander gepasst hat, wo wir uns verletzt haben, unsere jeweiligen Eigenarten es uns unmöglich gemacht haben, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.

Wenn die Trennung „gut“ läuft, kann ich nach einiger Zeit vielleicht irgendwann auch wieder daran denken, was ich im Anderen mal geliebt habe und was gemeinsam auch gut war.

Treue – das Wort in der Grundbedeutung: ehrlich, wahr, richtig, echt, sicher, getrost. Soweit ich all diese Eigenschaften in mir finden kann, kann ich sie auch in meinen Beziehungen leben.

Träume, Tag-Träume und Nacht-Träume, können wir mit unserem Partner, Partnerin teilen, sie einander erzählen. In der Paarbeziehung können sich die Träume, als Botschaften des Unbewussten aufeinander beziehen, unser Unbewusstes miteinander „korrespondieren“, miteinander sprechen.

U - Untreue Übergänge

Bei Untreue denken wir schnell an sexuelle Untreue, oft ist dies aber eine Ausrede, um außerhalb der Paarbeziehung emotionale oder geistige Intimität zu finden. Außenbeziehungen passieren nicht, sie haben fast immer etwas mit dem Fehlen in der Paarbeziehung zu tun. Untreue erschüttert die Beziehung und bringt den einen Partner in Schieflage. Mit viel Mut und Geduld kann das Paar gemeinsam auf ihre bisherige Beziehung schauen und herausfinden, was fehlt oder verloren gegangen ist.

Übergänge s. Phasen der Beziehung. Vielleicht können wir bei manchen Veränderungen des Paarlebens bewusst hinschauen, z.B. wenn ein Kind kommt, ein Umzug ansteht, die Arbeitssituation verändert wird, und dies als Übergang zu etwas Neuem begehen.

V - Vater Versöhnung

Vater oder väterlich sein in der Beziehung kann in ein Ungleichgewicht führen, Frau fühlt sich bevormundet, übergangen, in den eigenen Fähigkeiten klein gemacht. Beispiel al la Loriot: meine Frau macht jetzt einen Kurs an der Volkshochschule, sie soll doch auch ihr Eigenes haben.

Die Fähigkeit zur Versöhnung fordert uns viel ab: annehmen, dass ich meinen Partner verletzt habe, Überwindung von Trotz und Stolz, Verzicht auf Rache und Rechthaben.

W - Wünsche

Wünsche denken, sehnen und aussprechen können, Wünsche an den Partner, die Partnerin, das Leben, fürs Miteinanderleben...

Z - Zeit

Zeit für Gespräche

Zeit für Zärtlichkeit

Zeit für Wünsche

Zeit für Streit

Zeit für gemeinsame Leidenschaften

Zeit für Leidenschaft

Dies ABC, diese Einfälle, Stichworte können endlos ergänzt werden, darüber kann man streiten und phantasieren.

Zum Weiterlesen:

Hans Jellouschek, Wie Partnerschaft gelingt – Spielregeln der Liebe, Herder-Verlag 2010

Allan Guggenbühl, Hast du mal zeit für einen Streit. Herder-Verlag 2004

Michael Cöllen, Lasst uns für die Liebe kämpfen. Kösel-Verlag 1990

Verena Kast, Paare – Beziehungsphantasien oder wie Götter sich in Menschen spiegeln. Kreuz-Verlag

Und natürlich zum Sehen den unvergleichlichen Beobachter

Schlussbemerkung

Dies ABC, diese Einfälle, Stichworte können endlos ergänzt werden, darüber kann man streiten und phantasieren.

Zum Weiterlesen:

Hans Jellouschek, Wie Partnerschaft gelingt – Spielregeln der Liebe, Herder-Verlag 2010

Allan Guggenbühl, Hast du mal zeit für einen Streit. Herder-Verlag 2004

Michael Cöllen, Lasst uns für die Liebe kämpfen. Kösel-Verlag 1990

Verena Kast, Paare – Beziehungsphantasien oder wie Götter sich in Menschen spiegeln. Kreuz-Verlag

Und natürlich zum Sehen den unvergleichlichen Beobachter
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